Unsere Gemeinde
Die Jüdische Gemeinde Delmenhorst e.V. ist eine lebendige Religionsgemeinschaft, die sich der Bewahrung und Förderung jüdischer Traditionen und Werte widmet. Wir heißen alle in unserer Gemeinschaft willkommen, die unsere Glaubensüberzeugungen teilen oder an ihnen interessiert sind.
Zu Beginn des Jahres 1933 gab es in Delmenhorst etwa 180 Personen, die nach nationalistischer Definition „Volljuden“ waren. Einige von Ihnen waren Dissidenten. Es waren jedoch nicht alle Mitglieder der Synagogengemeinde „Volljuden“, einige waren „Arier“ (zum Judentum übergetretene ehemalige Christinnen), andere „Halbjuden“ (Kinder aus Mischehen). Es gab auch eine Reihe von Christen, die auf Grund ihrer Abstammung als „Halbjuden“ eingestuft wurden. Nach dem 30. Januar 1933, dem Tag der „Machtergreifung“, verschlechterte sich die Situation der Juden schnell. Der von der NSDAP propagierte Antisemitismus ließ die Geschäfte der Einzel- und Viehhändler schrumpfen, besonders nach dem am 1. April 1933 von der NSDAP propagierten und von SA und SS durchgeführten Boykott jüdischer Geschäfte und Praxen. Dieser fand – selbstverständlich – auch in Delmenhorst statt.
Bis zum Sommer 1935 mögen viele Juden gedacht haben, ihre Lebensbedingungen in Deutschland könnten sich doch noch wieder verbessern, doch durch die Nürnberger Gesetze vom 15. September 1935 wurden ihre Hoffnungen zunichte. Fortan waren sie nur noch minderberechtigte „Staatsangehörige“, keine Reichsbürger. Bis dahin waren noch nicht viele Delmenhorster Juden ausgewandert, doch das änderte sich jetzt. Sie bemühten sich, die notwendigen Genehmigungen zu bekommen, und das bedeutete, zahlreiche Steuern und Abgaben zu zahlen, Nachweise zu erbringen, in einem Zielland die Einreisegenehmigung zu erhalten, die Schiffsreise zu bezahlen und schließlich den mitzunehmenden Hausrat bis zum letzten Staubtuch hin aufzuschreiben und unter Aufsicht eines Zollbeamten zu verpacken.
Bis zum Herbst 1938 war den Juden eine Betätigung im Bereich der Wirtschaft noch nicht prinzipiell verboten, aber die „Arisierung“ der Wirtschaft stand schon auf dem Programm der NSDAP. Zu dem Zweck ließ sich im Juli 1938 die Kreisleitung der NSDAP von der Industrie- und Handelskammer Oldenburg ein Verzeichnis der noch existierenden jüdischen Geschäftsbetriebe aufstellen. Es nannte in Delmenhorst noch elf Betriebe, die, was zu vermuten ist, kaum noch tätig waren. Aber noch bestand zu diesem Zeitpunkt die jüdische Gemeinde, fand Gottesdienst statt, gab es die Jüdische Schule. Mit dem Schrumpfen der Gemeinde wurden die auf der Synagoge lastenden Schulden immer untragbarer. Mit dem 10. November 1938 erlosch das Leben der jüdischen Gemeinde fast ganz. Die jüdische Schule wurde geschlossen, jüdischen Schülern wurde es durch Erlass des Reichsministers für Erziehung, Wissenschaft und Unterricht vom 15. November 1938 verboten, öffentliche Schulen zu besuchen. Da die jüdische Gemeinde von Delmenhorst nicht mehr zahlungsfähig war, fiel ihr einziger Besitz, das Grundstück an der Cramerstraße mit der Ruine der Synagoge, an die Gläubigerin, die Landessparkasse zu Oldenburg und diese verkaufte es 1939 an einen Privatmann. Damit hat die jüdische Gemeinde ihre Existenz endgültig beendet



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